Samstag, 20. April 2013

Zehn Irrtümer übers Erben

Zehn Irrtümer übers Erben





Nicht selten kommt nach dem Tode eines Angehörigen zu extremen Erb-Auseinandersetzungen. Dabei sind rund 90 % aller Testamente fehlerhaft. 150 Milliarden Euro werden in Deutschland im Jahr schätzungsweise vererbt. Aber nur jeder Dritte hat eine Regelung getrooffen ,  wer nach seinem Tod alles  erhalten soll. 

Derjenige der sich aufgerafft sein Testament zu schreiben, muss Angst haben, das nach  seinem Tode alles anders kommt. Gerade Testamente, die ohne Notar entstanden sind, haben oft schwerwiegende Fehler. 



1. Ein Testament beim Notaren gilt mehr als ein  handgeschriebenes Testament

Das ist nicht korrekt. Rein theoretisch kann man das durch die berühmte Notiz auf einem Bierdeckel ausßer Kraft setzen. Denn der Gesetzgeber hat den Menschen bewusst verschiedene Möglichkeiten eingeräumt, ihr Testament aufzuschreiben.  In der Wirkung stehen sich notarielles und handschriftliches Testament  in nichts nach. Gibt es mehrere Testamente, gilt immer das jüngste. Es müssen aber die Formvorschriften vom Gesetz erfüllt werden. Und genau das ist teilweise schwierig.  
- Ein handgeschriebenes Testament muss ganz und gar mit der Hand geschrieben sein, ein gedrucktes oder mit der Schreibmaschiene geschriebenes mit einfacher Unterschrift reicht nicht aus. 
- Zusätzlich muss der volle Name darunter stehen.
Sofern das Testament auf mehreren Seiten besteht, sollte man  jedes einzelne Blatt nummerieren , unterschreiben und mit einem Datum versehen.
- Eine Unterschrift ist eine Schrift die unter den Text gehört und nicht irgendwo links oben in der Ecke oder so.  
- Das fertige Testament sollte man bei einem Notaren oder dem Amtsgericht verwahren lasen, damit nicht ein Verwandter es verschwinden lassen kann. 

2. Jeder kann selbst bestimmen, wen er zum Erben haben will

Das stimmt leider nur teilweise. Zwar darf in Deutschland grundsätzlich erstmal jeder über sein Hab und Gut selbst bestimmen, aber es gelten ein paar Einschränkungen. 

zB darf man nur als Mensch oder juristische Person wie Vereine, Stiftungen oder Gesellschaften etwas erben. Tiere darf man nicht als Erben einsetzen. (LG München I, Az. 16 T 22604/03).
Was man aber kann ist, Jemanden zu benennen, der sich um das Tier kümmert und das Vermögen für die Pflege und Ernährung des Tieres ausgibt. Im Zweifel sollte man hier noch einen Testamentvollstrecker das Ganze überwachen lassen.  

3. Erben müssen die Anordnungen des Testamentes einhalten
Das stimmt leider auch nicht unbedingt. Dann nämlich , wenn sich die Erben alle einig sind, können sie sich über den letzen Willen des Erblassers hinwegsetzen.  
Wenn der Erblasser zB den Passus" Das Haus darf 5 Jahre lang nicht verkauft werden" eingefügt wird. Das ist 1. sowieso ungünstig, weil es sein kann das die Kinder das Geld gebrauchen um die Erbschaftssteuer zu bezahlen und zweitens können die Kinder, wenn sie sich dann einig sind, das Haus selbstverständlich verkaufen.  Sogar dann noch wenn ein Testamentvollstrecker eingesetzt wurde.  

Wenn man wirklich möchte, das sich die Erben an die Anordnungen im Testament halten, sollte man zB die Missachtung der Wünsche mit Saktionen oder Strafen belegen. Man kann sogar den Verlust des gesamten Erbes als Strafe einsetzen. 

Oder aber wenn man möchte das das Haus im Familienbesitz bleibt, sollte man einem Dritten, zB denjenigen der einen gepflegt hat, ein lebenslages WOhnrecht einräumen. Damit wäre das Haus mit einem Wohnrecht Dritter belastet , und damit ist es nahezu unverkäuflich. 

4. Wenn man möchte kann man seine Familie enterben  

Jeder kann statt seiner Familienangehörigen auch die beste Freundin, die Sekretärin oder die Altenpflegerin zum Alleinerben  einsetzen. Wenn man will kann man auch nur die netten Verwandten bedenken und die doofen nicht. Leer geht die doofe Familie dann aber nicht aus, denn per Gesetz erhalten die nächsten Angehörigen einen Pflichtteil. Er beträgt normalerweise die Hälfte des gesetzliches Erbteils, dh. Wenn jetzt eine Frau stirbt die zwei Töchter und 100.000 € hat hat und keine anderen Verwandten dann würden im Normalfall beide die Hälfte also 50.000 € bekommen.Wenn die Frau aber eine Tochter zur Alleinerbin bestimmt, geht auch die andere Tochter nicht leer aus. Ihr Pflichtteil beträgt dann die Hälfte von 50.000€  also 25.000€ . 
Dieser Pflichtteil steht aber nur  den nächsten Angehörigen zu. Dies sind die Kinder des Toten, einschließlich nichteheliche und adoptierte Kinder. Wenn die Kinder schon tot sind, treten die Enkel oder Urenkel als Erbe ein. 
Auch Ehegatten und Lebenspartner bekommen einen Pflichtteil sofern die Ehe oder Partnerschaft zum Zeitpunkt des Todes noch Bestand hatte.
Die Geschwister des Toten sind nicht pflichtteilsberechtigt und gehen, sofern im Testament keine andere Regelung getroffen ist, leer aus.
Um das Pflichtteil kommt man nicht herum, es sei denn die Pflichtteilsberechtigten haben dem Toten nach dem Leben getrachtet oder ihnen gegenüber sonst eine schwere Straftat begangen.

5. Auch bestimmte Gegenstände lassen sich vererben

Dieser Glaube hält sich wacker und kann in der Praxis zu Komplikationen führen, denn Erben bedeutet, dass der Erbe in die Fußstapfen der Verstorbenen tritt. Er übernimmt damit alle Rechte und Pflichten an seinem Eigentum – und nicht nur an Einzelstücken. Wer einem guten Freund oder Verwandten nur einen speziellen Gegenstand zukommen lassen will, muss deshalb ein Vermächtnis zu dessen Gunsten anordnen. 
Um Komplikationen zu vermeiden, sollte das Testament genau zwischen Erben und Vermächtnisnehmern unterscheiden und beide ausdrücklich und namentlich benennen.

6. Wer vor seinem Tod alles verschenkt, verhindert Streit ums Erbe
Der Grundsatz, das man lieber  „mit warmen Händen geben“, statt sein gesamtes Vermögen erst nach dem Tod den Erben zu übertragen gilt auch heute. Wer früh genug anfängt sein Vermögen auf die Liebe zu übertragen mindert dadurch nicht nur die Erbschaftssteuerlast . Er kann durch solche Geschenke auch unliebsame Erbberechtigte ausbremsen. Denn alles, was einem beim Tod nicht mehr gehört, schmälert das Vermögen und damit auch die Ansprüche der Pflichtteilsberechtigten.
Aber einen Haken hat die Sache.... Zwischen den " Geschenken" und dem Erbe müssen mindesttens 10 Jahre liegen. Wurde zB ein Grundstück erst kurz vor dem Tod übertragen, zählt der Wert mit zum Erbe.
Damit nichts verlorengeht, gewährt es den nächsten Angehörigen einen Pflichtteilsergänzungsanspruch. Das heißt: Alles, was in den zehn Jahren vor dem Tod verschenkt wird, können die Pflichtteilsberechtigten teilweise in Geld ersetzt verlangen.Allerdings sinken die Ansprüche des Pflichtteilempfängers im Jahresrythmus um zehn Prozent pro Jahr.
Um Streitereien nach dem Tod zu vermeiden, kann man  mit dem Pflichtteilsberechtigten einen Vertrag beim Notar machen, worin  vereinbaret wird, dass der Pflichtteilsberechtigte gegen eine  Abfindung auf sein Pflichtteilsrecht verzichtet.  

7. Man kann sein Testament zu jeder Zeit  widerrufen

Das stimmt zwar bei einem einfachen Testament. Aber bei einem gemeinsamen Testament eines Ehepaares, kann man das Testament auch nur gemeinsam widerrufen. Wenn beide nicht mehr zusammen leben, kann man das ansonsten auch mit einer notariell beurkundeten Erklärung an den Partner tun. Sofern man sich scheiden läßt entfällt auch das gemeinschaftliche Testament automatisch.
Schwieriger ist es aber wenn einer der Partner stirbt. In diesem Fall kann es ausgeschlossen sein, das man das gemeinschaftliche Testament widerruft.  Beim bekannten Berliner Testament ist dies sogar der Normalfall.Dabei setzen sich die Eheleute gegenseitig zu Alleinerben und die Kinder zu Schlusserben ein, die dann erben sollen, wenn beide Eltern tot sind. Sobald einer stirbt, ist der überlebende Partner unwiderruflich an diese Regelung gebundenund kann auch bei einer erneuten Heirat nicht mehr zugunsten des neuen Partners ändern. 

8. Niemand muss fremde Schulden erben
Grundsätzlich ist das zwar  richtig, trotzdem passiert es immer wieder, das nach dem man geerbt hat die Gläubiger auf einen zukommen.Dazu muss man wissen das Hinterbliebene, die nichts Gegenteiliges erklären, die Erbschaft automatisch annehmen.
Das bedeutet, das derjenige der geerbt hat und die Erbschaft nicht antreten will, das Erbe innerhalb von 6 Wochen beim Notar oder beim Nachlassgericht  erklären muss. Sofern der Verstorbene im Ausland lebte hat er dafür 6 Monate Zeit.Nach dieser Frist gilt das Erbe ausdrücklich als angenommen. Dann hat man ein Vermögen geerbt oder eben Schulden, oder Beides. 
Aber auch hier gibt es Mittel und Wege das ganze etwas zu erleichtern. Denn auch wenn die Gläubiger schon bei der Beerdigung auf die Begleichung der Rechnungen bestehen, so muss man in den ersten 3 Monaten nach dem Erbfall nicht auf diese Forderungen eingehen. 
Aber auch danach hat man verschiedene Möglichkeiten um die persönliche Haftung zu begrenzen oder auszuschließen.  
Wenn das geerbte Vermögen ausreicht die Schulden zu tilgen, kann der Erbe beim Nachlassgericht beantragen das ein Rechtspfleger eine Nachlassverwaltung einsetzt. Damit hat der Erbe zwar keine Verfügung mehr über das Vermögen, aber er begrenzt damit auch seine Haftung auf die Höhe des Nachlasses. Sofern nachdem die Schulden getilgt sind noch Vermögen vorhanden sein, so zahlt er den Rest an die Erben aus. 
Sind aber danach noch Schulden vorhanden muss der Erbe ein Nachlassinsolvenzverfahrens beantragen. Nur so ist sichergestellt, das man für die Schulden des Erblassers nicht geradestehen muss. Dies ist aber nicht nur so wenn er von der Überschuldung weiß, sondern bereits dann, wenn er sie nur vermutet. Macht er das nicht, ist der den Gläubigern gegenüber zu Schadensersatz verpflichtet und haftet mit seinem eigenem Vermögen. 

9. Jeder der was erbt braucht einen Erbschein

Jede Bank, jede Versicherung und auch das Grundbuchamt geben das  Eigentum des Verstorbenen nur raus, wenn eindeutig nachgewiesen werden kann das man als legitimer Rechtsnachfolger des Toten handelt. Dann muss eine Urkunde vorgelegt werden, die sein Erbrecht klar dokumentiert. Es muss sich dabei aber nicht immer um einen Erbschein handeln.
Gibt es ein notarielles Testament oder einen Erbvertrag, ist es ausreichend, wenn der Erbe dieses zusammen mit dem Eröffnungsprotokoll dem Nachlassgericht vorlegt

Sofern nur ein handschriftliches Testament vorliegt ist auch nicht unbedingt ein Erbschein notwendig und zwar dann nicht wenn der Verstorbene schon zu Lebzeiten eine Vorsorge-vollmacht die über den Tod hinaus gültig ist erstellt hat. 
Ein Erbschein ist im Normalfall nur dann notwendig , wenn sich eine Immobilie im Nachlass befindet.
Je höher das Vermögen ist, desto teurer wird auch der Erbschein. Von daher sollte man es sich gerade bei hohem Vermögen auf die Erteilung eines Erbscheins zu verzichten. 

10. Jemand der unter Betreuung ist, kann sein Testament nicht mehr ändern
Nur weil man unter Betreuung steht, ist kein Hinderungsgrund für die Ausstellung eines Testamentes.  Dafür braucht man auch keine Einwilligung vom Betreuer. Nur wenn man nicht mehr in der Lage ist die Tragweite der Entscheidungen einzuschätzen darf man kein neues Testament mehr erstellen.
Oftmals findet man erst nach dem Tode heraus das der Vater oder die Oma noch kurz vor Ihrem Tode ein neues Testament aufgesetzt hat und darin nicht die Kinder und Enkel bedacht hat, sondern die Betreuerin. Dann lässt es sich meistens nicht mehr nachweise, ob der / die Verstorbene die nötige Einsichtigkeit besaß.
Um das zu Vermeiden und die Betreuten vor Erbschleichern zu schätzen sollte man schon zu Lebzeiten ein Gutachten eines Fachanwaltes einholen. Nur damit lässt sich im Ernstfall ein kurz vor dem Tod errichtetes für hinfällig erklären. Ein solches Gutachten ist allerdings nur mit Zustimmung des Betreuten möglich.