Montag, 15. April 2013

Steuern auch für Rentner ???


Auch Rentner müssen oftmals noch eine Steuererklärung abgeben. Die Steuerpflicht besteht für Rentner aber nur wenn Ihr Einkünfte über den Grundfreibetrag von 8004 € für Alleinstehende oder 16008 € für Verheiratete liegt. Das heißt das hauptsächlich Rentner mit hohen Renten oder hohen Extra-Einkommen davon betroffen sind.  



Seit 2005 sind Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung steuerpflichtig. Jetzt werden auf die Renteneinkünfte Steuern erhoben, wenn sie bestimmte Freibeträge überschreiten.
Der Grund für die Neuregelung beruht auf dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2002 (Urteil v. 06.03.2002, Az.: 2 BvL 17/99), nachdem die Besteuerung von Beamtenpensionen und Renten der gesetzlichen Rentenversicherung gleich behandelt werden müssen. Daraufhin hat der Gesetzgeber für die gesetzliche Rente die sog. nachgelagerte Besteuerung eingeführt. Früher unterlagen gesetzliche Renten nur der Besteuerung des Ertragsanteils und waren nur damit steuerpflichtig.

Bei der nachgelagerten Besteuerung werden die Beiträge zur Altersvorsorge schrittweise steuerfrei gestellt und dafür später die gesamten Renteneinkünfte voll versteuert. Hiervon betroffen sind alle Rentenarten, also auch Hinterbliebenen- oder Erwerbsminderungsrente. Die nachgelagerte Besteuerung für die Renten  wird nach und nach eingeführt. Ab 2025 sollen dann die Rentenversicherungsbeiträge vollständig von der Steuer abgesetzt werden können. Das bedeutet erstmal eine Entlastung der Beitragszahler. Im Gegenzug aber werden die Renteneinkünfte schrittweise steuerpflichtig und damit die Rentner belastet. 

Mit welchem Prozentsatz die Renten besteuert werden, hängt vom Jahr des Renteneintritts ab. Wer 2011 in Rente ging, der muss 62 Prozent seiner Rente versteuern. Jährlich steigert sich für Neurentner der steuerpflichtige Rentenanteil um jeweils 2 Prozentpunkte, ab 2020 um 1 Prozentpunkt. Bei Rentenbeginn ab dem Jahr 2040 sollen dann die Renteneinkünfte bis zu 100 Prozent versteuert werden.

Außerdem wird ein sogenannter Rentenfreibetrag eingeführt, in dessen Höhe Renteneinkünfte steuerfrei bleiben. Er berechnet sich aus der Jahresbruttorente . Wer 2011 in Rente geht, dessen Rentenfreibetrag beträgt dann 38 Prozent der Bruttorente aus dem Jahr 2012. Wer ab 2040 oder später in Rente geht, bei dem reduziert sich der Rentenfreibetrag auf Null. 

Ausnahmen von der eben beschriebenen nachgelagerten Besteuerung werden über die sogenannte Öffnungsklausel ermöglicht. Damit soll eine Doppelbesteuerung vermieden werden. Von der Ausnahme profitieren Rentner, die vor 2005 über mindestens 10 Jahre Beiträge über den Höchstbeiträgen der gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt haben. Hier benötigt man eine Bescheinigung der Rentenversicherung. Die Rentenleistung wird dann aufgeteilt in 2 Teile, einen der nachgelagert besteuert wird und einer mit Besteuerung nach Ertragsanteil.  Allerdings wurden auch  die Ertragsanteile um rund ein Drittel gesenkt.

Seit 2009 sind Zinsen und andere Kapitaleinkünfte pauschal mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer zu versteuern. Banken und Kreditinstitute behalten die Abgeltungssteuer ein und führen sie an das Finanzamt ab . Von der Abgeltungssteuer ausgenommen sind Anlagen, die ausschließlich der privaten Altersvorsorge (Riester-, Rürup-Rente, betriebliche Vorsorge) dienen. Das gilt auch für private Renten- oder Kapitallebensversicherungen, wenn sie vor dem 01.01.2005 abgeschlossen wurden und eine Laufzeit von mindestens 12 Jahren haben. 

Sonderausgaben:Eine Pauschale von 36 Euro pro Person deckt Spenden und Kirchensteuer  ab, es sei denn, höhere Kosten werden nachgewiesen. Um die steuerlichen Belastungen zu minimieren, sollten Rentner vom Abzug der Sonderausgaben Gebrauch machen. Hier können sie zB Beiträge  für Kranken-, Pflege-, Haftpflicht- und Unfallversicherung oder  Abziehbar sind Unterhaltsleistungen an den geschiedenen Ehepartner geltend machen. Das Gleiche gilt für haushaltsnahe Dienstleistungen, Betreuungs- und Pflegeleistungen.
Weitere Steuervergünstigungen können Schwerbehinderte geltend machen, z. B. für Heilkuren, Hilfsmittel, Heimunterbringung, Krankheitskosten  sowie mit  Ausgaben für Haushaltshilfen usw. Je nach Grad der Behinderung kann auch ein Pauschalbetrag geltend gemacht werden. Für Personen, die als hilflos nach dem Einkommensteuergesetz gelten und für Blinde gibt es einen Pauschbetrag von maximal 3 600 Euro.

Können Rentner höhere Ausgaben nachweisen, erkennt der Staat Gewerkschaftsbeiträge, Kosten für Rentenberater, Schuldzinsen, wenn zB  freiwillige Beiträge in die Angestellten-versicherung mit Krediten nachgezahlt werden an. Aber auch Rechtsberatungs- und Prozesskosten zur Klärung von Ansprüchen kann man absetzen 

Rentner mit Zusatzeinkünften (zB aus Vermietung), die das 64. Lebensjahr 2010 bereits vollendet haben, erhalten automatisch einen Altersentlastungsbetrag. Die Höhe richtet sich nach dem Alter, im Jahr 2010 betrug er 1440 € . Allerdings wird auch dieser Altersentlastungsbeitrag schrittweise für zukünftige Rentnerjahrgänge bis 2040 auf Null runtergesetzt. Für 2010 beträgt er 32 % der Einkünfte, höchstens jedoch 1.520,- Euro.

Wie viel Steuern jeder einzelne zahlen muss,ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Das hängst stark von den persönlichen Verhältnissen  und den Einkommensarten ab. Außerdem gibt es  für bestimmte Rentenarten ( Betriebsrenten, Teilrenten, Erwerbsminderungsrenten usw.) spezielle Regelungen. 


Schummeln lohnt sich nicht: Inzwischen werden alle Renten, auch private Versicherungen, dem Finanzamt gemeldet und registriert. Der neuen Steueridentifikationsnummer sei Dank.  Stellt der Fiskus eine Steuerpflicht fest, müssen viele Rentner auch für die zurückliegenden Jahre – 2005 bis 2010 – eine Steuererklärung abgeben. 

In jedem Fall würde ich bei Beginn der Rente einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein aufsuchen.