Donnerstag, 7. März 2013

Welche Steuerklassen-Kombination sollte man nehmen?

Welche Steuerklassen-Kombination sollte man nehmen?


Wer verheiratet ist hat weniger Steuerabzüge vom Lohn , sofern die beste Steuerklassen-Kombination gewählt wurde. Außerdem kann sich durch die richtige Wahl der Steuerklasse zB das Elterngeld oder auch das Arbeitslosengeld erhöhen. Welche Steuerklasse für wen die richtige ist und welchen Einfluss die Wahl hat, möchte ich hier versuchen zu erklären: 

Zusammenveranlagte Ehepaare können in Steuerklasse III, IV, oder V sein. Ehepaare müssen sich aber nicht zusammen veranlagen, sie können auch getrennt veranlagt werden, das bedeutet , das man dann 2 Steuererklärungen abgeben muss. Hier ein paar Beispiele: 

Steuerklassen Kombination IV / IV ( beider Steuerklasse 4 ) 
Ist die häufigste Kombination, sie lohnt nur wenn beide ungefähr gleichviel verdienen. Die Abzüge hier sind aber noch immer genauso wie bei Singles. 

Steuerklassen Kombination IV / IV mit Faktor
Diese Kombination ist erst seit 2010 möglich. Hier wird der sogenannte Splittingvorteil für Verheiratete schon im laufenden Jahr berücksichtigt, wodurch es zu weniger Steuerabzug kommt. Diese Kombination ist am sinnvollsten wenn der eine Ehepartner 70 % oder mehr des Gesamtlohnes verdient. 

Steuerklassen Kombination III / V 
Hierbei kommt der Höherverdienende in die Steuerklasse III und hat weniger Abzuüge und der andere Ehepartner bekommt die Steuerklasse IV . Diese Kombination ist aber nur dann optimal, wenn der Ehepartner mit Steuerklasse III 60 % und der andere 40 % vom gemeinsamen Arbeitseinkommen verdient. Schon kleine Abweichungen können zu Steuernachzahlungen führen. Als Faustregel gilt hier : Je größer der Unterschied zwischen den beiden Arbeitslöhnen ist, desto mehr Steuern sind später nachzuzahlen.

ABER es gibt einen Sonderfall. Wenn man schwanger werden will oder bereits schwanger ist  und demzufolge nach der Geburt Elterngeld bekommt (oder wenn es absehbar ist, das man Arbeitslosengeld bekommt),  kann es sein, das ein Wechsel der Steuerklassen sinnvoll ist. Die Höhe vom Elterngeld und Arbeitslosengeld hängt nämlich davon ab was man den letzten 12 Monaten vor der Geburt des Kindes netto verdient hat. 
Dazu wählt der Ehepartner, der später das Kind betreut bzw der der arbeitslos werden wird, die Lohnsteuerklasse III, auch wenn er weniger Geld verdient. Hierbei zahlt man dann zwar im Moment mehr Steuern, aber es kann auch mehrere 1000 € zusätzliches Elterngeld bringen. 

getrennte Veranlagung
Ehepartner können bei der Erstellung der Einkommensteuererkläung dazu entscheiden eine getrennte Veranlagung durchzuführen, sofern das günstiger ist und das unabhängig davon welche Steuerklassen sie vorher gewählt hatten. 
Hierbei wird dann jeder Steuerpflichtiger wie ein Lediger behandelt und muss eine eigene Steuererklärung abgeben. 
Um sich dazu zu entscheiden müssen Sie  nur im Mantelbogen der Einkommensteuererklärung auf der ersten Seite "Getrennte Veranlagung" ankreuzen. Ihr Partner kreuzt dieses Kästchen in seiner Steuererklärung ebenfalls an. 

Eine getrennte Veranlagung kann günstiger sein : 

- Wenn ein Ehegatte hohe ausländische Einkünfte hat. Ausländische Einkünfte sind zwar meist in Deutschland nicht steuerpflichtig, aber sie erhöhen sie den persönlichen Steuersatz  (so genannter "Progressionsvorbehalt").

- Wenn einer von beiden Arbeitslosengeld bekommt. Auch das erhöht den Steuersatz und diese Erhöhung wird durch getrennte Veranlagung umgangen. ( Progressionsvorbehalt).

- Sofern Nebeneinkünfte bis zu 410 € pro Person erzielt werden . Bei Zusammenveranlagung ist diese Grenze für beide zusammen. Bei getrennter Veranlagung darf jeder Partner die 410 € in Anspruch nehmen.

- wenn ein Ehepartner Verluste erreicht, der andere aber normal verdient. Wenn beide getrennt veranlagt sind, kann er seinen Verlust in spätere Jahre übertragen oder mit Gewinnen aus dem Vorjahr verrechnen. Der andere Partner rettet seine Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen. Bei Zusammenveranlagung hätten sich Einkünfte und Verluste im selben Jahr ausgeglichen und Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen wären ungenutzt geblieben.

- Wenn man frisch verheiratet ist , kann einer der Ehepartner eventuell noch den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende geltend machen . 


- Wenn einer der Eheleute eine Abfindung bekommt und keine anderen bedeutenden Einkünfte in diesem Jahr hat. Der andere Partner hat hohe Einkünfte. Durch die getrennte Veranlagung zahlt der erste Partner weniger Steuern auf die Abfindung, als beide Partner bei Zusammenveranlagung hätten zahlen müssen.


- Wenn der Ehegatte mit geringerem Einkommen kirchensteuerpflichtig ist und der nicht. Bemessungsgrundlage für die Kirchensteuer ist aber das gemeinsame zu versteuernde Einkommen. Bei getrennter Veranlagung rettet der konfessionslose Partner sein höheres Einkommen .


Abschließend möchte ich aber nicht vergessen zu erwähnen, das es sich bei dem genannten um komplizierte Steuervorgänge handelt, bei denen verschiedene Gesichtspunkte ineinandergreifen. Deshalb kann nur ein Steuerberater mit letzter Sicherheit sagen, ob sich die getrennte Veranlagung wirklich lohnt. Beziehen Sie aber sein Honorar in Ihre Vorteilsrechnung mit ein.